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StudiVZ - eine Erfolgsgeschichte

28. August 2008 | Von admin | Kategorie: Online Marketing

Würde man alle Eintragungen der Mitglieder im StudiVZ für wahr halten, hätte zum Beispiel jeder zwischen 50 und 100 Freunde. Eine Zahl die doch leicht übertrieben scheint. StudiVZ ist eher einer Plattform für lockere Kontakte und eine Möglichkeit sich über ein individuell gestaltetes Profil der Internet-Öffentlichkeit zu präsentieren. Geschlecht, Studiengang, Interessen, Musikrichtung, Lieblingsbücher – der Selbstdarstellung sind kaum Grenzen gesetzt. Allerdings sollten es keine „anzüglichen“ Fotos sein, damit man nicht aus der StudiVZ Community geworfen wird.

Diese Community hat mittlerweile rund 4 Millionen Mitglieder bei 2,5 Millionen Studenten im deutsprachigen Raum. Die Mitglieder können also nicht alle Studenten sein, vielmehr sind es junge und junggebliebene denen es meist um Kontakte geht. Was damals das Poesiealbum war ist heute StudiVZ, das klicken durch die Profile hat wohl auch ein bisschen was mit Voyeurismus zu tun.
Die Profile anderer Nutzer kann man sich hier auch ansehen ohne das der Eigentümer dies bemerkt, dazu kreuzt man unter „Privatsphäre“ an: „Ich bleibe lieber anonym“. Jedoch nicht jeder liebt es undercover durchgecheckt zu werden.

Neugierde wird hier nicht nur befriedigt, Neugierde wird auch geweckt. StudiVZ ist eine Kontaktbörse. Unter dem Menüpunkt „Beziehung“ hat man die Auswahl zwischen: Solo, vergeben, offene Beziehung, verheiratet oder Romanze. Und wenn man jemanden kennenlernen möchte kann man dies durch Drücken des Buttons mit der Aufschrift „Gruscheln“ tun. Gruscheln ist ein Mixwort aus „grüßen“ und „kuscheln“.

Mittlerweile gehört es schon fast zum „guten Ton“ Mitglied bei StudiVZ zu sein. Dabei wurde dieses Projekt erst vor zwei Jahren gegründet. Michael Brehm der Geschäftsführer hatte sich die Erfolgsgeschichte des Internetportals Facebook in den USA angeschaut und gedacht: „So etwas müsste eigentlich auch hier erfolgreich sein“. Der damals 25-jährige Betriebswirtschaftler kündigte einfach seinen Job und begann entgegen den Ratschlägen seiner Freunde und Eltern mit seinem Projekt. Kapital gab es praktisch nicht – aber es kam schneller als erwartet.

Anfang 2007 kaufte der Holzbrink Verlag die Firma. Michael Brehm blieb einer der Geschäftsführer. Der Kaufpreis soll zwischen 50 und 100 Millioen EURO (!!!) betragen haben und das obwohl das Studentennetzwerk damals noch gar keinen Umsatz machte. Der Chef von Holzbrink Networks damals: „StudiVZ sei eben im Internet die Nr. 1 bei Studenten und man könne dadurch einen wichtigen strategischen Markt besetzten der später auch satte Gewinne ermögliche“. Lange warten wollte der Verlag nicht, schon in den ersten Montane 2007 wurde auf den Seiten Bannerwerbung installiert und es ist vorgesehen die Werbung auf die Mitglieder des Netzwerkes persönlich zu zuschneiden. Personalisierte Werbung – nach Auskunft nichts ehrenrüriges. Ein männliches Mitglied bekäme dann eben keinen Lippenstift mehr angeboten und ein Hamburger kein DSL Angebot mehr für Süddeutschland.

Doch so einfach ließen sich die Nutzer nicht dazu hinreißen, den neu formulierten AGB´s zu zustimmen. Es wurde zum Boykott aufgerufen und viele wehrten sich dagegen. Man ist beinahe versucht zu sagen: Endlich das Ihre doch oft all zu leichtfertige Preisgabe persönlicher Daten werbetechnisch ausgenutzt werden sollte. Die Geschäftsführung reagierte – nun kann jeder mit einem Häkchen an der richtigen Stelle entscheiden ob er personalisierte Werbung haben möchte oder nicht.

Bei StudiVZ kann man auch Auskunft über die politische Einstellung geben. Links, rechts, grün, unpolitisch, Kommunist oder auch kronloyal. Wie viele Medizinstudentinnen aus Hannover outen sich wohl als konloyal -es sind 93.

93 Studentinnen an der medizinischen Hochschule aus Hannover sind also kronloyal. Es liegt nahe das nicht alle persönlichen Angaben wahrheitsgetreu gemacht werden. Ob wirklich die meisten Studenten unpolitisch sind wie sie es selbst behaupten, ob es wahr ist wenn sich bei Jura Studenten im Vergleich zu anderen Studiengängen der größte Prozentsatz als „rechts“ outet oder ob Informatiker wirklich die wenigsten Freunde haben? Und was ist von Studenten zu halten die Mitglieder in folgenden Gruppen sind: „Ja ich weiß Du willst mich, stell dich hinten an!“ oder „Alles Scheiße alles Mist wenn Du nicht besoffen bist“ oder auch „Wann sterbe ich endlich weil ich Kettenbriefe nie beantworte?“

Der Spaßfaktor scheint doch ziemlich hoch angesiedelt zu sein. Und StudiVZ ist damit erfolgreich! Der jüngste Ableger Schüler VZ offensichtlich auch. Laut Brehm hat dieses Portal innerhalb von Monaten schon 2 Millionen Mitglieder begeistert.



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Ein Kommentar
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  1. Interessanter Artikel!

    Gruß
    Daniel

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